Für die Mitglieder der Interessengemeinschaft der Esel- und Mulifreunde Deutschland haben Gesundheit und Leistungsfähigkeit ihrer Tiere oberste Priorität für den Zuchtstandard.
Ihre Tiere sollen nicht alle gleich aussehen, wie das bei Tieren einer Rasse gefordert wird, beispielsweise dem Haflinger-Pferd. Aber alle Körperteile des Esels sollen harmonisch zueinander passen.
Gewünschte Körpereigenschaften für Esel und Muli
Schwerer, kaltblutartiger Esel (oder Muli)
Ein schwerer, kaltblutartiger Esel (oder Muli) hat dicke Knochen, einen tiefen Brustkorb, sehr kurze Röhren, einen breiten Hals, meist breite Ohren und einen schweren, kurzen und breiten Kopf.
Wichtig ist, dass ein massiger Rumpf und Kopf auch die entsprechend starken Beine und Hufe haben.
Nicht nur Großesel, wie beispielsweise der Poitou-Esel, können im Kaltbluttyp stehen, sondern auch alle anderen Esel und Mulis.
Leichter, zarter, vollblutähnlicher Esel (oder Muli)
Ein leichter, zarter, vollblutähnlicher Esel (oder Muli) ist schmal mit feinen Knochen. Er hat einen schmalen und eher langen Kopf mit schmalen, langen Ohren. Der Rumpf ist weniger tief. Die Beine wirken länger.
Natürlich gibt es außer diesen beiden Extremen viele Zwischenformen, deren Körperteile in einem harmonischen Verhältnis zueinanderstehen müssen, da sonst im Bewegungsablauf eine unterschiedliche und schädliche Belastung entstehen kann. Ein schwerer Körper auf zu schwachen Beinen und Hufen führt sehr schnell zu Gesundheitsschäden.
Kreuzungen zwischen den beiden extremen Typen führen in der Regel zu unharmonischen Tieren.
Kopf
Der Kopf eines Esels muss zu den anderen Körperteilen passen. Er darf nicht zu grob sein.
Gebiss
Hat ein Esel einen Unter- und Überbiss oder andere Zahnanomalien, ist er als Zuchttier nicht erlaubt.
Denn solche Zahnanomalien erschweren die Haltung und Ernährung des Esels extrem.
Bei diesen Anomalien stimmt auch die Stellung der für die Tierärzte schwer erreichbaren Backenzähne nicht. Fehlstellungen können sie nicht durch das übliche Abraspeln beseitigen. Hier fallen bei der Behandlung in der Klinik hohe Tierarztkosten an.
Augen
Augen-Anomalien sind nicht erlaubt.
Die Lider müssen die Augen gut umschließen. Zu kleine Augen in zu großen Höhlen bieten Parasiten eine Angriffsfläche. Nach innen gedrehte
Augenlider bereiten dem Tier ständige Schmerzen.
Ganaschen
Die Ganaschen* dürfen durch den Hals des Esels oder Mulis nicht einengen (Ganaschenfreiheit).
Sind sie eingeengt, üben sie einen ständiger Druck auf die Ohrspeicheldrüsen aus. Das schränkt die Leistungsfähigkeit des Tieres beim Fahren und Reiten ein, weil es über keine ausreichende Beweglichkeit des Kopfes verfügt.
*Ganasche (von griechisch gnathos bzw. französisch la ganache für Kinnlade bzw. Kinnbacke. Das ist der hintere halbrunde Bereich zwischen Unterkieferast und Atlasflügelrand. Der Abstand zwischen beiden Unterkieferkörpern in der Kehle heißt Ganaschenfreiheit.
Ohren
Knick- und Hängeohren sind beim Esel nicht erlaubt.
Nase
Die Nasenlinie des Esels darf keine Einbuchtung aufweisen.
Hals
Der Hals des Esels darf auf keinen Fall konvex gebogen sein (Hirschhals).
Eine sehr gerade Schulter führt fast automatisch zu einem Hirschhals. Der Übergang vom Hals zur Brust ist nicht abgesetzt. Die untere Halslinie fließt in einer direkten Kurve in das Brustbein über. Wölbt sich dieses stark nach unten, wird kein Sattel- oder Bauchgurt hier in seiner Lage bleiben. Er wird zum Ellenbogen rutschen und das Tier behindern.
Der Hals sollte geschlechtstypisch (der Hengst hat einen stärkeren Hals als die Stute) und trapezförmig sein.
Brust
Die Brust des Esels sollte breit und tief sein. So bietet sie einer großen, starken Lunge Platz.
Als Richtwert für die Brustbreite kann man die Breite der Karpalgelenke mal vier nehmen.
Aus Brusttiefe und Bodenfreiheit setzt sich das Stockmaß zusammen. Die Brusttiefe sollte je nach Eseltyp die Hälfte des Stockmaßes oder etwas mehr betragen.
Das Brustbein muss möglichst waagerecht sein, da sonst die Bauchgurte von Geschirr und Sattel den Ellenbogen behindern. Ein Fehler, der bei Eseln sehr häufig vorkommt.
Schulter
Die Schulter des Esels sollte möglichst schräg und deutlich abgesetzt sein.
Rücken
Für den Rücken des Esels wird eine möglichst gerade, durchgehende Rückenlinie mit guter Verbindung zur Kruppe gewünscht. Das ist insbesondere sehr wichtig bei Eseln, die geritten werden sollen.
Der Rücken sollte eher kurz sein und eine beidseitige, kräftige Rückenmuskulatur aufweisen.
Senk- und Karpfenrücken sind schwere Fehler.
Kruppe
Die Eselkruppe: Von hinten betrachtet sollte sich der Kruppenbereich als ein Oval und nicht als Dreieck darstellen. Er darf nicht überbaut sein. Das heißt. er darf nicht höher als der Widerrist sein.
Die Kruppe muss vom Hüfthöcker bis zum Sitzbein möglichst lang sein und eine kräftige Bemuskelung aufweisen.
Schwanz
Der Schwanz bzw. die Quaste des Esels sollte kräftig und hoch angesetzt sein. Eine kräftige Quaste ist von Vorteil, beispielsweise zur Fliegenabwehr.
Gliedmaße
Die Gliedmaßen eines Esels müssen gerade unter dem Körper stehen. Sie dürfen auf keinen Fall aus der Achse laufen.
Eine leichte Kuhhessigkeit ist gewünscht, da sie zum Typ der Tierart Esel gehört. Diese Stellung erhöht die Beweglichkeit der Hinterbeine.
Ein Fehler sind X-Beine und die Torbogenstellung.
Das Verhältnis unteres Röhrbein zur Gesamtbeinlänge sollte 2/3 zu 1/3 betragen.
Vorderbeine
Die Vorderbeine eines Esels dürfen auf keinen Fall rückständig gesetzt sein.
Die Hinterbeine dürfen keine sichelförmigen Sprunggelenke zeigen.
Fesselgelenke und Hufe
Die Fesselgelenke und Hufe eines Esels dürfen keine Stellungsanomalien zeigen, also aus der Achse laufen.
Bockhuf, Bärentatze, keine Trachten usw. gelten als zuchtausschießende Fehler.
Fehlstellungen führen bei der Nutzung unserer Esel sehr schnell zu Erkrankungen der Gelenke, die dem Tier zum Teil große Schmerzen verursachen. Die sind dann sehr oft der Grund für die vermeintliche Störrigkeit des Esels.
Sehr gefährlich ist die Hufkorrektur bei älteren Tieren mit erworbenen Fehlstellungen durch mangelnde Pflege. Je besser die Hufstellung bei der Geburt ist, desto geringer ist die Gefahr, dass bei einer Vernachlässigung eine Fehlstellung entsteht.
Bei Fehlstellungen kann ein erheblicher Mehraufwand beim Ausschneiden und Korrigieren anfallen. Dies kann bis einmal wöchentlich, statt alle sechs bis acht Wochen nötig sein, da sonst schon der Tatbestand der Vernachlässigung eintritt.
Mit solchen Tieren zu züchten ist vorsätzliche Tierquälerei.
Hufe
Die Hufe des Esels sollten in der Größe zum Tier passen, aber eher zu groß als zu klein sein.
Als Richtwert kann die Breite des Karpalgelenkes gelten. Zu kleine Hufe neigen durch die hohe Belastung zur losen Wand, zu Hornspalten und wahrscheinlich auch zu Hufgeschwüren.
Trachten
Die Trachten* beim Eselhuf sind etwas höher als die des Pferdes. Hier ist aber immer die Zehenachse zu beachten.
*Trachten sind beim Esel der hintere, tragende Teil der Hornkapsel des Hufs, der links und rechts neben dem Strahl auf dem Boden aufsetzt.
Fesselung
Die Fesselung des Esels darf weder zu weich und durchtrittig noch zu steil sein.
Eine weiche, durchtrittige Fesselung kann jede Nutzung ausschließen, da bei jedem Schritt die Gelenkknochen auseinanderrutschen und wieder ineinanderknacken.
Die zu steile Fesselung führt zu einem vermehrten Stolpern. Eine Gefahr für Mensch und Tier bei der Nutzung.
Größe
Die Größe wird als Stockmaß gemessen.
- Zwergesel bis 105 Zentimeter
- Normalesel bis 130 Zentimeter
- Großesel ab 131 Zentimeter
Zuchtausschließende Fehler
Zuchtausschließende Fehler sind beim Esel: Gebissanomalien, Hodenanomalien sowie alle anderen Anomalien, welche gesundheitliche Störungen verursachen.