Esel reiten

Ich bin Linda, Leiterin der Arbeitsgruppe Eselreiten. Wenn ich von meiner Großeselin erzähle, werde ich häufig gefragt, ob man Esel auch reiten kann.

Kann man Esel reiten?

Ja, Esel kann man reiten. Es gibt jedoch ein großes ABER.

Nicht jeder Esel ist geeignet, geritten zu werden

Das Fundament muss stimmen. Esel mit krummen Beinen, schlechten Hufen oder Rückenproblemen: die werden keine Freude daran haben, geritten zu werden. Abbildung 1 zeigt einen Esel, der etwas tragen kann. Der Esel auf Abbildung 2 sollte nicht geritten werden, auch nicht von leichten Personen oder nur kurz für ein Foto. Davon unabhängig können übergewichtige Esel weniger tragen als idealgewichtige Esel.

Mindestalter für einen Reitesel

Esel sind erst mit 6 – 8 Jahren ausgewachsen. Deshalb solltest Du nicht vorher mit dem Einreiten beginnen. Du kannst aber schon mit Vorübungen starten, wenn Dein Esel 3 – 4 Jahre alt und in der Entwicklung weit genug ist. Dann kannst Du mit Deinem Esel schon Bodenarbeit machen, Fahren vom Boden trainieren oder ihn zur Eingewöhnung bei einem Spaziergang nur Sattel und Trense tragen lassen.

Aber viele junge Esel sind noch sehr verspielt. Ernsthaftes Training fällt ihnen sehr schwer. Da ist es einfacher, ihnen noch ein bisschen Zeit zu geben. Stattdessen kannst Du seine Ausbildung langsam und spielerisch mit viel Abwechslung beginnen. Der Esel lernt schließlich ein Leben lang dazu. So ist es noch nicht zu spät, wenn Du das Reiten erst beginnst, wenn er 8 Jahre oder älter ist.

Voraussetzungen des Reiters

Wer einen Esel reiten möchte, muss zu seinem Reitesel passen. Entscheidend ist das Gewicht des Reiters inklusive Ausrüstung.

Wir empfehlen, dass Esel nicht mehr als ein Fünftel ihres eigenen Idealgewichts tragen sollten.

Bei einem Hausesel von 105 cm wären das ca. 30 kg, abzüglich des Gewichts von Sattel und Klamotten des Reiters bleiben nur noch 20-25 kg übrig. Das entspricht einem Kind von etwa unter 6 – 8 Jahren. Kinder dieses Alters können aber meist noch nicht so gut reiten.

Kleine Großesel von ca. 135 cm können maximal 60 kg tragen. Sättel für diese Eselgröße sind schwerer. So reduziert sich das Maximalgewicht des Reiters auf 50 kg.

Aber auch wenn der Mensch leicht ist, kann er als Reiter zu groß sein. Lange Beine und ein langer Oberkörper haben oft einen Hebelwirkung, wenn der Reiter nicht perfekt im Gleichgewicht sitzt. Daher sollten lange Menschen eher größere und kräftigere Tiere reiten. Möglicherweise finden sie eher ein passendes Reitmuli oder Pferd.

Große Esel, die rechnerisch auch Reiter von 60 – 70 kg abdecken, sind selten und haben meistens ein schlechtes Gebäude. Daher ist es für große oder schwere Reiter fast unmöglich, einen passenden Reitesel zu finden. Alternativ können solche Menschen auch mit ihrem Esel Kutsche fahren oder sich nach einem großen Muli oder Pferd umsehen.

Reitausrüstung

Wer sich einen Eselrücken schon mal genauer angesehen und mit einem Pferderücken verglichen hat, wird es festgestellt haben:

Es ist schwierig, für einen Esel den passenden Sattel zu finden.

Esel haben einen fast geraden Rücken. Der erscheint zwar manchmal recht lang zu sein. Aber bei näherer Betrachtung bietet er keine größere Auflagefläche für einen Sattel. Auch im Querschnitt gesehen, hat der Esel eine andere Form als ein Pferd. Dies macht oft Schwierigkeiten bei der Anpassung des Sattelkopfeisens. Denn Pferdesättel sind für so eine Form oft gar nicht gebaut. Außerdem wirkt der Eselrücken oft spitz und knochig. Das liegt aber häufig an fehlender Rückenmuskulatur.

Die bisher auf dem deutschen Markt angebotene Eselsättel sitzen leider auf den meisten Eseln nicht gut auf. Esel sind nun einmal nicht alle gleich. Am sinnvollsten ist, es einen Abdruck oder 3D-Scann des Rückens machen zu lassen und damit verschiedene Sättel auszuprobieren. Dabei ist es wichtig, dass der Sattelbaum, also der stabile Kern eines Sattels, auf den Esel passt. Ein Sattler kann für den optimalen Sitz über die Polsterung noch kleinere Anpassungen vornehmen. Deswegen sollte man sich nicht auf einen Satteltyp festlegen, sondern auch über den Tellerrand schauen. Vielleicht ist es eine Option, mit einem Sattel aus einer anderen Disziplin zu reiten, wenn der besser passt.

Immer beliebtere Varianten zum Baumsattel sind Reitpad und baumlose Sättel. Diese können auch auf Esel passen. Aber das ist nicht zwangsläufig der Fall, da auch sie an die Anatomie des Pferdes angepasst sind. Wichtig ist es, dass Du ein Model wählst, das die Wirbelsäule freilässt und den Druck des Reitergewichtes gleichmäßig verteilt.

Wegen der fehlenden Gewichtsverteilung ist es für Deinen Esel übrigens nicht angenehm, wenn Du ihn ohne Sattel reitest.

Reitausbildung und Training

Die Ausbildung und das Training eines Reitesels gehen Hand in Hand. Es gilt, Esel wie Pferde erst einmal einzureiten. Dabei lernt der Esel, dass es nicht schlimm ist, wenn jemand auf seinem Rücken sitzt und was Reiterhilfen bedeuten.

Auch für den Reiter gibt es einiges zu lernen: Wie er den Esel lenkt. Wie er so auf seinem Rücken sitzt, dass er den Esel möglichst wenig in seinem Gleichgewicht und seinen Bewegungen stört. Ein Reitanfänger sollte sich zum Einreiten seines Esels Hilfe holen. Oder er lernt erst einmal auf Pferden reiten, am besten in einer guten Reitschule. Für gute Reiter ist die Ausbildung eines Esels zum Reitesel oft leicht. Denn Esel lernen sehr schnell. Sie brauchen nur wenige Wiederholungen.

Damit der Esel mehr als sein Eigengewicht tragen kann, braucht er Muskeln. Die wollen trainiert werden. Am besten beginnst Du mit Spaziergängen, Jogging-Runden und Bodenarbeit. Dann steigerst Du langsam das Gewicht und die Tragedauer.

Kutschefahren ist übrigens auch eine super Möglichkeit, beim Esel die Muskeln schonend aufzubauen, die er zum Tragen benötigt.

Denke daran, nach längeren Reitpausen zuerst wieder Kraft aufzubauen, bevor Du Deinen Esel wieder reitest. Für jeden Esel ist es übrigens schon fast Leistungssport, 60 Minuten lang 20 Prozent seines Eigengewichtes zu tragen. Schrittpausen, bei denen Du absteigst und den Esel führst, sind nach längeren Reitpausen unumgänglich.

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Abb. 1: So soll’s sein:

kurzer, gerader Rücken;
geschlossene Nierenpartie;
schräge Schulter;
guter Halsansatz;
viel Brust;
kräftige Kruppe

Abb. 2. So bitte nicht:
langer, durchhängender Rücken;
offene Nierenpartie;
zu steile Schulter;
schlechter Halsansatz;
keine Brust;
kurze Kruppe

FAQ zum Eselreiten

Erwachsene, gut gebaute und trainierte Esel ohne Über- oder Untergewicht dürfen bis zu 20 Prozent ihres Eigengewichtes tragen. Fehlstellungen, Übergewicht und schlechter Trainingszustand verringern das erlaubte Gewicht.

Ja. Es hängt natürlich auch immer ein bisschen davon ab, was dem Esel beigebracht wurde.

Ja.

Um das Gewicht des Reiters gleichmäßig neben der Wirbelsäule des Esels zu verteilen, brauchst Du einen Sattel.

Es gibt mittlerweile auch einige baumlose Sättel, die das auch können. Bei denen gilt es aber, genau hinzuschauen und eventuell eine Druckpunktmessung machen.

Um einen Fehlkauf zu vermeiden, lässt Du am besten den Eselrücken von einem Sattler vermessen. Mit diesen Daten gehst Du dann auf die Sattelsuche.

Da sich der Eselrücken immer mal verändern kann, gilt es, die Sattelpassform regelmäßig zu überprüfen und anzupassen.

Wenn der Sattel immer nach vorne rutscht, passt er vermutlich nicht gut. Da viele Esel hinten überbaut sind, kaum Widerrist und eine sehr schmale Schulter haben, ist es oft schwierig, einen für den Esel passenden Sattel zu finden.

Solange Du keinen Sattel hast, solltest Du Deinen Esel auch nicht reiten und ihn lieber anderweitig beschäftigen.

Passt der Sattel und rutscht trotzdem beim Bergabreiten nach vorne, kann ein Hintergeschirr helfen. Rutscht der Sattel aber ständig vor, wird das Hintergeschirr anfangen zu scheuern.

Schweifriemen oder Vordergurte sind nicht zu empfehlen, um den Sattel am Vorrutschen zu hindern.

Esel können wie Pferde mit Trense oder auch gebisslos geritten werden. Das hängt davon ab, womit sich Esel und Reiter wohler fühlen.

Gut ausgebildete Esel lassen sich auch sehr gut nur mit Halsring reiten. Du solltest aber vorher mit Deiner Versicherung klären, ob das abgedeckt ist, sollte es zu einem Unfall kommen.

Das hängt ganz vom Trainingszustand des Esels ab. Am Anfang reicht schon eine Minute. Je regelmäßiger Du mit ihm trainierst, desto länger kann Dich Dein Esel tragen.

Spätestens wenn der Esel den Rücken durchhängen lässt, stolpert oder ungewöhnlich langsam oder schnell läuft, solltest Du absteigen.

Um die Muskulatur zu erhalten, solltest Du Deinen Esel mindestens einmal pro Woche reiten, zum Muskelaufbau häufiger.

Nach einer intensiven Trainingseinheit solltest Du aber 24 – 48 Stunden Pause einplanen.

Genau das ist problematisch. Einmal im Jahr dem Esel eine extreme Überbelastung zuzumuten, und das meistes auch ohne passenden Sattel, das ist tierschutzwidrig. So etwas unterstützt die IGEM nicht.

Prinzipiell ja.

Die Lieblingsgangart eines Esels ist aber der Schritt.

Zwar ist der Rücken im Trab und Galopp stabiler. Aber je schneller die Gangart, desto höher ist auch die Belastung für die Gelenke des Esels.

Ja es gibt tatsächlich Esel, die tölten können. Die Veranlagung zum Tölt und Pass ist aber genetisch bedingt und sehr selten.

Dann bist Du vermutlich zu schwer. Oder der Esel hat Rückenschmerzen.

Dann bist Du vermutlich zu schwer. Oder Du oder der Sattel behindern ihn in seiner Bewegung. Oder ihm tut etwas weh. In allen Fällen solltest Du sofort absteigen.

Ja das ist möglich, wenn Du den Esel an diese Aufgabe gewöhnt hast und unter Kontrolle halten kannst.

Das Handeselreiten ist eine gute Möglichkeit, die Ausdauer Deines Esels zu trainieren.

Grundsätzlich ist die Fußfolge in den Gangarten gleich. Genauso wie bei den Pferden gibt es Esel mit weichen Gängen und Esel mit harten oder sogar sehr schwungvollen Gängen. Das lässt sich nicht vorhersagen und ist von Esel zu Esel unterschiedlich.

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