Nutzung von Eseln und Mulis in Deutschland
Über die Nutzung von Eseln und Mulis durch den Menschen relevantes Wissen und Erfahrungen vermitteln. Das ist ein ganz wesentlicher Kernpunkt des Vereinszweckes der Interessengemeinschaft der Esel- und Mulifreunde Deutschland (IGEM).
In diesem Beitrag
Irrtümer über Esel und Mulis
Irrtümlich wird vom Anfänger – auch aus Beobachtungen in südlichen Urlaubsländern herrührend – oft angenommen, dass gerade die Esel besonders zäh seien und problemlos übergewichtige Westeuropäer oder eine levantinische Kleinfamilie tragen könnten.
Ein Esel hat durchaus die Muskelkraft und den Willen, hohe Lasten zu bewältigen. Seine Sehnen, Bänder und Gelenke verschleißen dabei jedoch so rapide und vorzeitig wie bei jedem anderen überlasteten Tier. Der Verein hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, diesen Irrglauben durch fachlich fundierte Informationen für Halterinnen, Halter und potenzielle Tierkäufer zurückzudrängen.
Nutzungsempfehlungen für Esel und Mulis
Die Interessengemeinschaft der Esel- und Mulifreunde Deutschland legt in ihrer Vereinsarbeit großen Wert auf Nutzungsempfehlungen, die auf jedes einzelne Tier zugeschnitten sind. Alle Halterinnen und Halter können zum Beispiel durch die Bewertung von Richterinnen und Richtern während des jährlichen Esel- und Mulitreffens ihre Tiere bewerten lassen. Dort werden ihnen die körperlichen Stärken und Schwächen ihrer Tiere aufgezeigt. Daraus können sie gemeinsam mit den Richtern die möglichen Nutzungen ableiten.
So kann ein Tier aufgrund des Körperbaus besonders geeignet sein, als Wanderesel, aber nicht als Reit- oder Kutschesel genutzt zu werden. Ziel ist es auf jeden Fall, das Tier entsprechend seiner Eignung zu nutzen. Damit soll verhindert werden, akute oder chronische Schmerzen durch Überlastung oder vorzeitigen Verschleiß zu provozieren.
Spazieren und Wandern mit Eseln
Die Vereinsmitglieder nutzen ihre Tiere in vielerlei Hinsicht. Viele machen Spaziergänge oder sogar wochenlange Wanderungen mit ihren Tieren. Der Esel trägt dabei gerne und ausdauernd das korrekt bemessene Gepäck auf einem Packsattel.
Kutschefahren mit Eseln
Andere Eselfreundinnen und -freunde fröhnen dem Kutschfahren mit ein- bis vierspännigen Gespannen. Hier liegt die Herausforderung in der Ausbildung der Tiere. Es gilt, die besondere Eselpsyche zu berücksichtigen. Und es ist mitunter nicht einfach, das geeignete Geschirr zu finden. Denn das gibt es regelmäßig nicht von der Stange zu kaufen. Vieles lässt sich auch selbst herstellen.
Esel reiten
Das Reiten von Eseln ist besonders zierlichen Menschen vorbehalten. Denn nur wenige unserer hiesigen Großesel sind körperlich gesund genug, um ohne Langfristschäden regelmäßig das Gewicht eines erwachsenen Reiters zu tragen.
„Zirkus-Esel“
Einige Vereinsmitglieder haben sich auf Zirkuslektionen spezialisiert. Auf den jährlichen Eseltreffen erfreuen sie mit ihren unerschrockenen und lernwilligen Tieren die Zuschauer.
Esel als Therapeuten
Zahlreiche Esel sind bei therapeutischen Einrichtungen im professionellen Einsatz. Dort haben die Tiere stets einen außerordentlich beruhigenden und positven Einfluss auf Patienten und Menschen mit einer Behinderung.
Menschliches Ansinnen tiergerecht vermitteln
Esel und Mulis zeichnen sich durch besondere Nervenstärke, Ausdauer, Intelligenz, Gelassenheit, Lernwilligkeit, ein gutes Gedächtnis und Menschenbezogenheit aus. Sowohl Esel als auch Mulis können jedoch bekanntermaßen zu nichts gezwungen werden. Der Mensch ist daher gefordert, sein Ansinnen dem Tier so tiergerecht zu vermitteln, dass das Tier freiwillig mitarbeitet und Freude an der Zusammenarbeit mit seinem Menschen hat.
©Martina Garg